Nach der Kürzung der Ruhezeiten für die Beschäftigten im Gastgewerbe sind jetzt offenbar die Ärzte an der Reihe: Angedacht ist eine Reduzierung der Ruhezeit von elf auf fünf Stunden. Für Tirols roten Spitzenkandidaten bei der AK-Wahl, Dr. Stephan Bertel, eine „absolut fahrlässige“ Änderung.

Wer will sich da noch operieren lassen?“, so Bertel. Er verweist auf das Beispiel eines Chirurgen, der nach einem 18-stündigen Dienst künftig nur mehr fünf Stunden Erholung haben soll. „Eine Operation kann durchaus mit der Leistung eines Hochleistungssportlers verglichen werden. Es benötigt dafür absolute Konzentration – wie sollen das Ärzte gewährleisten können, wenn sie nach nur fünf Stunden Schlaf erneut im Einsatz sein sollen?“, fragt Bertel. Von der Gesetzesnovelle der Regierungsparteien sind neben Ärzten auch Hebammen, Gesundheits- und Krankenpflegepersonal sowie Operationsassistenten betroffen.

Die Opt-Out-Regelung bzw. die Bestimmungen des § 4 Abs 1c KA-AZG entsprechen zumindest sinngemäß den Bestimmungen des neuen Arbeitszeitgesetzes, in welchem ein „freiwilliger“ 12-Stunden-Tag für alle ArbeitnehmerInnen eingeführt wurde. „Da wie dort ist uns sozialdemokratischen GewerkschafterInnen klar, dass Abhängigkeiten bestehen und eine Freiwilligkeit lediglich am Papier existiert. Es mag Stationen bzw. Einrichtungen geben, in welchen mit Augenmaß und Handschlagqualität Regelungen gefunden werden können, doch wird in der Mehrzahl der Fälle wohl direkt oder indirekt Druck ausgeübt, dem die oder der Einzelne aufgrund des Ungleichgewichts im Arbeitsleben kaum etwas entgegen zu setzen hat“, kritisiert Bertel.