Ökologisch alleine reicht schon lag nicht mehr, wir müssen hin zu einem sozioökologischen Anbau unseres Gemüses!“, fordert Bernhard Höfler, Sekretär der Tiroler Gewerkschaft PRO-GE und Vorstandsmitglied der Tiroler Arbeiterkammer. „Gute Arbeitsbedingungen für ArbeitnehmerInnen, ein Mindestverdienst für Landwirte, klare Regelungen bei Verkaufspreisen gegenüber dem Lebensmittelhandel und garantierte, faire Endproduktpreise für KonsumentInnen. Nur so kanns gelingen!“, ist er überzeugt.

Derzeit steht Profit eindeutig vor gesellschaftlichen Interessen!“, zeigt er auf. Die Arbeitsbedingungen von ErntehelferInnen sorgen immer wieder für massive Kritik, Höfler ortet dahinter ein „krankes System“. „Wenn man in die Bauernschaft rein hört und von Seiten ihrer Interessensvertretung bestätigt bekommt, dass die Verkaufspreise gegenüber dem Handel bei 80 bis 85 Cent pro Bund beispielsweise für Jungzwiebeln oder Radieschen völlig normal sind, sich die Verkaufspreise im Handel gleichzeitig auf circa 1,40 bis 1,50 Euro belaufen, wird offensichtlich, dass da was nicht stimmt!“, kritisiert Höfler die viel zu große Preisspanne. Schlussendlich sorge der Handel mit seiner Preispolitik dafür, dass ErntehelferInnen unter miserablen Arbeitsbedingungen schuften müssten, so der PRO-GE-Sekretär. Er ortet einen „Dagobert-Duck-Style“: „Hauptsache die Marge zwischen Einkauf und Verkauf an die KonsumentInnen stimmt!

Von dem, was Bauern für ihr Gemüse von den großen Lebensmittelketten erhalten, können die wenigsten überleben. „Viele Bauern sind mittlerweile gezwungen, ihrer Tätigkeit nur mehr im Nebenerwerb nachzugehen, weil sie andernfalls nicht über die Runden kommen“, so Höfler. Hier versage auch die Förderpolitik: „Landwirtschaft in Österreich erhält die meisten EU-Mittel. 4,85 Milliarden fließen als Direktzahlungen an den Landwirtschaftsfonds und 3,9 Milliarden Euro für ländliche Entwicklung. Diese Mittel stehen schon länger in der Kritik, weil sie sich allein an der Größe von Agrarflächen bemessen und kaum an Umweltauflagen geknüpft sind. Kleine Landwirte schauen meist durch die Finger. Bis dato scheiterte eine Umverteilung und treffsichere Agrarförderungspolitik an dem Veto der AgrarministerInnen aus den Mitgliedsstaaten. 20 Prozent der großen Betriebe erhalten 80 Prozent des Agrarbudgets.

Aus diesem Grund können wir nicht von Nachhaltigkeit sprechen, wenn hier nicht endlich eine klare, transparente, regulierte Preispolitik von Seiten des Staates gemacht wird. Wir müssen die lokale Lebensmittelversorgung forcieren, Nachhaltigkeit und Qualitätskriterien müssen entscheidend werden. Arbeitsbedingungen und Produktionsweisen sollen als fixe Bestandteile gelten, der Handel als größter Abnehmer hat verpflichtend diese Kriterien samt fixen Preisen einzuhalten!“, so Höfler, der zugleich betont: „Zudem muss gewährleistet werden, dass diese lokalen Produkte tatsächlich zu den Menschen gelangen!“. Dazu brauche es alltagstaugliche Strukturen von Märkten mit heimischen Produzenten (foodcoops) bis hin zum „Biokisterl“, das direkt vor die Haustüre geliefert wird.